In Metro, der kostenlosen Zeitung für U-Bahn-Fahrgäste, gibt es eine etwas unregelmäße Kolumne, in der der Polizeipräsident von Stockholm so allerhand aus seinem Nähkästchen zum Besten gibt. Schön ist er anzusehen, unser Polizeipräsident (vielleicht ist er ja auch nur ein Kommissar, so genau hab ich mir das nicht gemerkt): einen Schnauzer wie ein mexikanischer Haziendero, einen Hut wie Hoss Cartwright, einen Trenchcoat wie Detektiv Roquefort, einen roten Schal wie Walter Momper und Augenbrauen wie Theo Waigel (in den neueren Auflagen ist der Schal nicht mehr rot, weil aus Sparsamkeitsgründen auf Schwarz-Weiss umgestellt worden ist.). Dieser Polizeipräsident beklagte sich in der heutigen Ausgabe bitter über die gesunkene Moral in den schwedischen Gefängnissen. Es würden dort immer mehr Drogen genommen und neuerdings - o Graus - sogar gesoffen.

Was den Insassen recht, ist dem ehrlichen Rest der Bevölkerung nur billig, und so entschied das schwedische Parlament, ab Februar versuchsweise in speziell ausgewiesenen Gebieten den Systembolaget auch an Samstagen von 10.00 bis 14.00 Uhr geöffnet zu halten. Eine begleitende sozialwissenschaftliche Untersuchung, die ebenfalls in Metro präsentiert worden ist, ergab, dass im Versuchsgebiet die Gewalt gegen Frauen zugenommen hat. Ich schließe mich natürlich dem allgemeinen Bedauern darüber an, aber es wundert mich doch ein wenig, was das mit der Samstag-Vormittags-Öffnung zu tun hat. Sind die Schweden wirklich zu blöd, um ihren Alkohol für drei Tage im Vorraus zu kaufen?

Aber damit noch nicht genug!

Vor wenigen Tagen gab die schwedische Regierung dem Drängen der Europäischen Union nach und erhöhte die Freigrenzen für die private Einfuhr von Alkoholika auf das in anderen EU-Ländern übliche Ausmaß. Man darf jetzt neunzig Liter Wein oder so ähnlich privat einführen.

Sind jetzt alle Schranken gefallen?

Gibt es gar kein Halten mehr?

O doch, es gibt. Es gibt ja noch die wackeren Dänen. Diese weigern sich nämlich, den Zoll, der bei der Einfuhr von Alkohol nach Dänemark zu entrichten ist, bei der Ausfuhr zurückzuerstatten. So dass die legal zollfrei einführbare Alkoholmenge weiterhin auf einen Liter Spirituosen, zwei Liter Wein und zwei Litern Starkwein (ich habe keine Ahnung was das ist, die Schweden scheinen so was zu trinken) begrenzt bleibt.

Das gleiche gilt nebenbei bemerkt auch für Finnland, aber da Finnland sonst mit keinem anderen EU-Land eine gemeinsame Grenze hat, ist dieser Fall nicht weiter von Belang.

So hat den Schweden die komplizierte skandinavische Geografie mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wenn sich die Schweden nach Herzenslust besaufen wollen, bleibt ihnen bald nichts anderes übrig, als sich in ein Gefängnis sperren zu lassen.

14. März 2000

Circulus vitiosus

Eine der dümmsten Erfindungen auf der Welt ist ohne Zweifel die Drehtür. Die einzige sinnvolle Anwendungsmöglichkeit ist als Ausgang für zoologische Gärten und Freibä:der, wo Eintrittsgeldpreller, die sich heimlich durch den Ausgang hineinschmuggeln wollen, gnadenlos an der R¨ckseite der Drehtür von ehrlich gezahlt habenden, das Bad verlassenden Besuchern zu Brei gequetscht werden.

Wenn aber kein Eintrittsgeld zu entrichten ist, und es auch sonst keinerlei Anlass zur Beschränkung des Passierens einer bestimmten Stelle gibt, wozu dann eine Drehtür? Ein riesiges offenes Tor, das nicht mehr Platz beanspruchen würde, könnte eine viel viel größere Zahl von Passanten hinein- und hinauslassen. Ausserdem ist so eine Drehtür nicht ganz ungefährlich. Einerseits muss man aufpassen, dass man sie nicht seinem Vordermann in die Achillessehne rammt, zum anderen läft man natürlich auch immer Gefahr, sie von hinten selbst drauf zu kriegen. Neulich musste ich sogar eine blinde Frau bergen, die sich entweder verirrt hat, oder vor lauter wildem Drehen die Orientierung verloren hat und deshalb wie eine Berserkerin in die falsche Richtung drückte (obwohl meines Wissens alle Drehtüren in Schweden in die gleiche Richtung drehen).

Es kann nur eine einzige Daseinsberechtigung für die Drehtür geben: sie ist zur Disziplinierung des Schweden entwickelt worden. Der pädagogische Effekt ist enorm. Brav stehen die Schweden vor der Drehtür Schlange, obwohl sie eigentlich genau wissen müssten, dass sie bei einer anderen Art von Eingangskonstruktion schon längst drinnen wären.